GruppenbildVom 06.06.-10.06.2016 wurde für 30 Lateinschüler/innen der Klassen 9 die römische Spätantike im Rahmen einer fünftägigen Studienfahrt nach Augusta Treverorum, dem heutigen Trier, lebendig. Viele von den unzähligen Sehenswürdigkeiten nicht nur aus der Antike, sondern auch aus Mittelalter und Neuzeit, wurden an den ersten beiden Tagen auf zwei Rundgängen anhand von Schülerreferaten erschlossen. Angesichts der sommerlichen Temperaturen, die uns das für die Gegend typische milde Klima bescherte, waren wir am ersten Tag für die angenehme Kühle in der Gruft von Friedrich Spee dankbar. Nicht nur durch die erhaltenen Baudenkmäler, sondern auch durch zahlreiche, im Landesmuseum zu besichtigende Einzelfunde sind die Römer in Trier noch sehr präsent.So kann es durchaus geschehen, dass ein Trierer bei Gartenarbeiten einen über 18 kg schweren Münzschatz aus reinem Gold findet, mit dem er dann tags darauf vor dem Museumseingang steht.

Nikolas erlebte den ersten Tag so: „Um 12:00 Uhr kamen wir an der Jugendherberge in Trier an. Allerdings konnten wir unsere Zimmer nicht gleich beziehen, da wir etwas zu früh dran waren. Deshalb deponierten wir unser Gepäck in einem Raum in der Jugendherberge und gingen in die Innenstadt Triers. Nach einem 20 minütigen Fußmarsch kamen wir dort an. Als erstes besichtigten wir die Porta Nigra. Wir fanden es alle sehr erstaunlich, dass sich der byzantinische Mönch Simeon von Trier in der Porta Nigra einmauern ließ. Über diesen hörten wir einen Vortrag. Danach besichtigten wir noch die Wohntürme, das Judenviertel und den Markplatz. Des Weiteren durften wir noch die Palastaula und die Kaiserthermen bestaunen. Zu diesen erhielten wir auch Vorträge von Schülern. Danach hatten wir noch Zeit zur freien Verfügung, was uns alle sehr freute. Um 17:15 Uhr gingen wir zurück zur Jugendherberge und konnten endlich unsere Zimmer beziehen. Um 18:00 Uhr gab es schließlich Abendessen. Danach schauten wir noch einen Film über Trier. Um 22:00 Uhr fielen wir dann alle erschöpft ins Bett."
Nach den zahlreichen Informationen sorgten am zweiten Tag gegen Ende des Programms die Texte in leichter Sprache auf den Infotafeln in den Barbarathermen, der zweitgrößten Thermenanlage im Römischen Reich, für geistige Entspannung, die beim Erkunden der Stadt in Kleingruppen oder bei sportlichen Aktivitäten in der Jugendherberge vertieft werden konnte. Beim abendlichen Singen allerdings war trotz der hervorragenden musikalischen Begleitung durch Herrn Kuhner und einen Schüler die Begeisterung für lateinische Lieder nicht ganz so stark ausgeprägt.
Trierer DomDer strömende Regen, der uns am Vormittag des dritten Tages auf dem Weg zur Kirche St. Maximin begleitete, stimmte uns auf die Besichtigung des unter der Kirche freigelegten antiken Grabhauses ein. Denn dort konnten unter beschädigten Sarkophagdeckeln der eine oder andere menschliche Knochen sowie Reste des Kalks erspäht werden, in den die Leichen der besseren Haltbarkeit und Geruchsminimierung wegen gebettet waren. Eine Dame – inzwischen unter Glas – ist noch so gut erhalten, dass man ihre kostbare Kleidung und sogar ihr Haarnetz mit einzelnen Haarbüscheln erkennen kann. Abends wurde in zwei Gruppen „Pyramus und Thisbe", die lateinische Vorlage für „Romeo und Julia" gespielt, was für große Heiterkeit sorgte und manches schauspielerische Talent zutage brachte.
Ein Brückentest hatte ergeben, dass die älteste, aus der Römerzeit stammende Brücke die beste der drei Moselbrücken in Trier ist. Weitere interessante Details dieser Art zu Trier und seiner Umgebung hätte uns der Fahrer des alten Linienbusses, mit dem wir am Donnerstag an Mosel und Saar entlangratterten, gerne erzählt, aber die Fahrgeräusche und das kaputte Mikrofon des Busses hinderten ihn daran. Zunächst erreichten wir Nennig, wo sich das größte (und schönste) noch erhaltene römische Fußbodenmosaik nördlich der Alpen befindet. Danach wurde die eindrucksvoll rekonstruierte römische Villa in Borg (Saarland) im Rahmen einer sehr informativen, ausführlichen und fachkundigen Führung besichtigt. In der römischen Taverne, die zur Anlage gehört, wurden die Schüler/innen für ihre Geduld und Ausdauer schließlich mit einem Glas mulsum (Honigwein/-saft) belohnt. Wieder nach Trier zurückgekehrt, legte uns unser Busfahrer „die Stadt zu Füßen", indem er uns auf den Petrisberg fuhr, von wo wir vieles, was wir zuvor besichtigt hatten, noch einmal von oben sehen konnten. Die freie Zeit am Nachmittag nutzten manche so intensiv für Ballspiele, dass abends, als der 45-minütige Fußmarsch zum Amphitheater angetreten werden sollte, eine gewisse Lustlosigkeit herrschte. Die dortige Führung durch einen professionellen Schauspieler, der als antiker Gladiator Valerius berichtete, wie er bei seinem ersten Kampf in der Arena seinen besten Freund tötete, zog jedoch alle in ihren Bann. Noch beeindruckter waren wir, als wir hinterher im Gespräch mit dem Schauspieler erfuhren, dass er schon mehrfach im Fernsehen, z. B. im Tatort, zu sehen war.
Bevor wir am Freitag um die Mittagszeit die Heimfahrt antraten, stand noch eine Domführung auf dem Programm, bei der wir dem Heiligen Rock, in dessen Gewebe tatsächlich Blütenpollen aus Palästina nachgewiesen werden konnten, so nahe kamen, wie dies einem Normalsterblichen außerhalb der Heilig-Rock-Tage kaum möglich ist. Den Zutrittscode zur Kapelle mit dem Reliquienschrein kannte unsere Domführerin allerdings leider nicht.
Um 16.30 Uhr kehrten wir – dank der angenehmen Busfahrt bereits etwas von den Anstrengungen der Studienfahrt erholt – wohlbehalten nach Schramberg zurück.
Susanne Dobler, Nikolas Pfaff