Was gibt einem heute noch ein Besuch in einem KZ? Ist das Thema NS und der Holocaust nicht schon abgehakt? Müssen wir uns damit noch beschäftigen? Die Gedenkstätte Natzweiler-Struthof wird schon seit Generationen von Schulklassen besucht. Jeder hat schon davon gehört und aus Erzählungen von anderen sowie aus dem Unterricht davon erfahren. Aber selbst vor Ort zu sein vermittelt ein viel tieferes Bewusstsein für die Verbrechen der Vergangenheit.
Wir besuchten mit der ganzen Stufe 11 das KZ in Natzweiler-Struthof und konnten so unsere eigenen Erfahrungen sammeln. Am Montag, dem 11.07.2022 kamen wir nach zweistündiger Busfahrt gemeinsam in Frankreich an und besichtigten das Gelände und im Anschluss das Museum.

Unsere Lehrkräfte zeigten uns verschiedene Gebäude im KZ, von denen viele noch im Ursprungszustand erhalten waren. Von den vielen Baracken, in denen die Gefangenen schliefen, waren keine mehr erhalten. Sehr beeindruckend war für uns das Krematorium mit dem Ofen, in dem zahlreiche Opfer verbrannt wurden. Besonders erschreckend war für uns die Einrichtung eines Rohrsystems, über das die Hitze des Krematoriums zur Warmwasseraufbereitung genutzt wurde.
Bei unserer Ankunft konnte sich noch keiner von uns so recht in die schreckliche Vergangenheit hineinversetzen. Unser verhältnismäßig sorgloser Schulalltag, eine bequeme Busfahrt und das schöne Wetter passten so gar nicht zu dem, was während des Nationalsozialismus hier passiert ist. Die Vorstellung, nicht einmal ein Jahrhundert später an einem Schauplatz des Grauens zu stehen, an dem Menschen gelitten haben, an dem Unschuldige gefoltert und ermordet wurden und wieder andere Menschen einem terroristischen Regime dienten, ist unbegreiflich.
Unsere Empathie wurde spätestens beim Betreten des Museums erweckt, als wir die Schrift- und Bildquellen der Augenzeugen betrachten konnten. Ab diesem Zeitpunkt hatte man eine etwas realere Vorstellung von den Verbrechen an diesem Ort. Zwar teilten nicht alle diese Eindrücklichkeit der Gedenkstätte, dennoch begegneten alle diesem Ort mit Respekt.
Trotz Reflexion und Austausch über die Hintergründe wird man wohl nie gänzlich in der Lage sein, das Geschehene zu verstehen. Nicht nur als Deutsche, sondern als Menschen tragen wir die Verantwortung, Geschehenes nicht zu vergessen und zukünftig respektvoll mit diesem Abschnitt unserer Geschichte umzugehen, um eine Zukunft zu ermöglichen, in dem jedem Menschen seine Würde zukommen kann. Um es mit den Worten von Aleida Assmann zu sagen: „Erinnern ist Arbeiten an der Zukunft.“
Geschichtskurs g4 der Stufe 11