Gedenkstätte Grafeneck10 654 ist eine große Zahl, vor allem, wenn man weiß, für was sie steht.
Nur zwei Stunden Busfahrt entfernt liegt die Gedenkstätte Grafeneck. Grafeneck scheint ein ganz normaler Ort zu sein, doch er wurde durch die Nationalsozialisten ein Ort des Schreckens. Denn sie richteten dort die erste Tötungsanstalt ein, in der im Jahr 1940 psychisch Kranke vergast wurden.
Die sogenannte T4-Aktion organisierte in ganz Deutschland die Verlegung von Menschen, die laut der NS-Ideologie als „lebensunwert“ bezeichnet wurden. Im Januar 1940 brachte ein Bus mit verhüllten Fenstern die ersten Opfer nach Grafeneck auf der Schwäbischen Alb. Sie wurden direkt nach ihrer Ankunft registriert, ausgezogen, gemessen, gewogen und dann zum Arzt geführt, der oberflächlich anhand der Meldebögen der verschiedenen Anstalten entschied, ob ein Mensch "lebenswert" war oder nicht. 


Die Würde dieser Menschen zählte nicht mehr, nur noch der „Nutzen“ für die „Volksgemeinschaft“ entschied darüber, ob jemand leben durfte oder nicht. Sobald dies erledigt war, wurden die Menschen in einen vermeintlichen "Duschraum" geschickt. Allerdings wussten sie nicht, dass nun ihre letzten Minuten angebrochen waren. Denn innerhalb von nur 20 Minuten wurden die psychisch kranken oder behinderten Frauen, Männer und Kinder mit Kohlenmonoxid vergast. Die Leichen wurden anschließend in dem Krematorium eingeäschert. Wenn dann die Familien später die Urne ihres Familienmitglieds haben wollten, wurde ihnen einfach irgendeine Asche zugeschickt. Die Angehörigen erhielten sogenannte "Trostbriefe" mit erfundenen Todesursachen, um die T4-Aktion geheim zu halten. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden in Grafeneck 10 654 Menschen mit Behinderung systematisch getötet. Eins muss uns allen bewusst sein: Wir können zwar die schreckliche Vergangenheit nicht ändern, aber wir können dafür sorgen, dass so etwas in Zukunft nie wieder passieren wird, indem wir uns zusammen an dies erinnern!
TonfigurenIn der Gedenkstätte haben wir einen Workshop besucht. Hier haben wir gemeinsam über für uns wichtige Werte wie Freiheit, Würde oder Familie diskutiert. Anschließend hörten wir einen Vortrag über das „Euthanasie“-Programm der Nazis. „Euthanasie“ bedeutet übersetzt „guter Tod“. Aber gut war an diesem Morden rein gar nichts. Wir haben uns zum Beispiel genauer mit dem Lebenslauf von Anna Lehnkering beschäftigt, die bereits 1935 zwangssterilisiert wurde, damit sich die „schlechten Gene“ nicht fortpflanzen konnten, und 1940 in Grafeneck ermordet wurde.
Von den Vernichtungsorten ist heute nichts mehr zu sehen. Ein Gedenkstein erinnert daran, wo die Gaskammer gestanden hat. Zudem konnten wir den Friedhof besuchen, an dessen Gedenkmauer wir unseren Beitrag zum Gästebuch vorgetragen haben. In einem öffentlich zugänglichen Verzeichnis kann man die Namen aller Ermordeten lesen. Das war sehr beeindruckend. Die historischen Hintergründe mit Quellen aus dieser Zeit kann man im Dokumentationszentrum erkunden. Hier ist auch ein Kunstprojekt entstanden: Für jedes Opfer, das in Grafeneck den Tod fand, wurden kleine Tonfiguren gefertigt. Diese kann man gegen eine Spende zum Gedenken und Mahnen mit nach Hause nehmen. Besonders an diesem Ort ist, dass dort heute ein Wohnheim für Menschen mit Behinderungen steht. Damit straft dieser für eine Gedenkstätte ungewöhnlich lebendige Ort die unmenschliche Nazi-Ideologie Lügen und steht auch symbolisch für die Unantastbarkeit der Menschenwürde.
Ramona Stoll, Virginia Wälde (9.Klasse) und Paula Overbeck