Anti-Mobbing Lesung von Norman Wolf
“War ich so wenig wert, dass man mich bespuckt? War ich es überhaupt wert, dann zu leben?“
Und mitten im trubeligen Schulalltag des Schramberger Gymnasiums in einem Raum von fast 110 Schülerinnen und Schülern wurde es plötzlich sehr still.
Norman Wolf, der seit 2022 mit seinem Buch „Wenn die Pause zur Hölle wird“ an Schulen von seinen eigenen Mobbingerfahrungen erzählt, gelang es die Schramberger 7.Klässlerinnen und 7.Klässler für 90 Minuten so zu berühren, dass selbst beim Klingeln zur Pause keiner aufsprang, alle noch zu gefangen von der emotionalen Lesung, die am 10.07.26 stattfand.
Mit einem Foto von sich aus der 5. Klasse (Haare blau, Hemd zu groß, Lächeln unsicher im runden Gesicht) stellte Wolf sich den Schülerinnen Schülern vor. Er sei ein ruhiger Junge gewesen, keiner von denen, die sofort auf andere zugehen, sondern hoffen, dass jemand sie anspricht und Freundschaft sucht. Was zu Beginn der 5. Klasse noch als von Lehrkräften als „harmlose Sticheleien“ bezeichnet begann, änderte sich mit dem Schullandheim. Der Abschnitt, den Wolf aus seinem Buch vorlas, beschrieb wie aus täglichem Ärgern grenzüberschreitendes Mobbing wurde. Vor den Schülerinnen und Schülern saß dann kein erwachsener Mann mehr, sondern der 10-Jährige Norman, der sich fragte, ob er es überhaupt verdient habe, weiterzuleben.
Zwischen berührenden Einblicken in seine eigenen Erfahrungen als Mobbingopfer und ermutigenden Appellen an den Selbstwert der Schülerinnen und Schüler, lässt es sich Wolf auch nicht nehmen, den Blick auf die Lehrkräfte zu richten: Dass immer noch mehr Opfer die Schule verlassen als Täter, sei für ihn schwer zu ertragen.
Was während der Lesung aber immer wieder herausstach, war Wolfs ruhige und zugewandte Art den Schülerinnen und Schülern gegenüber. Seine Botschaft „Ihr seid nicht allein“ stand dabei über allem anderen und machte den 7.Klässlerinnen und 7.Klässlern Mut, auch die Hilfe einzufordern, die sie verdienen.
Das zweite Foto, was Wolf von sich zeigte, spiegelte diesen Mut wider: Aus dem 10-Jährigen wurde ein junger Erwachsener, dessen Lächeln nicht mehr unsicher und zurückhaltend war, sondern hoffnungsvoll in die Zukunft blickte.
Trotz allem bleiben die Narben des Mobbings bis heute, weshalb Wolfs Auftrag auch nach wie vor ist, sich an Schulen für Opfer einzusetzen und Lehrkräfte und Schulleitungen in die Verantwortung zu nehmen.
Daniela Brand
