Die FSJler zusammen mit der Eine Welt-AGSarah Kubela, Hannah Wild und Janina Schmidt waren nach mehr als einem Jahr gerne wieder an ihre alte Schule - das Gymnasium Schramberg - zurückgekehrt, um einem interessierten Publikum über ihre Freiwilligenarbeit zu berichten. Dieser Vortragsabend war von der Eine-Welt-AG des Gymnasiums initiiert worden, die zu den drei ehemaligen AG-Mitgliedern Kontakt gehalten und deren Projekte mit vielen Aktionen finanziell unterstützt hatte. So ließen sich auch viele Oberstufenschülerinnen, Eltern, Freunde und Lehrer der drei mitnehmen auf die virtuelle Reise nach Südamerika, Afrika und Süd-Ost-Asien.
Viele tausend Kilometer entfernt vom beschaulichen Schwarzwald verbrachten Sarah, Hannah und Janina 12 Monate in einer für sie fremden aber faszinierenden Kultur- in die man wirklich nur eindringt, wenn man das Leben mit Einheimischen dort teilt, darüber waren sich alle drei Mädchen einig.


Janina Schmidt wurde durch den "Freundeskreis christlicherMission" in deren philippinisches Partnerwerk "Helping Hands Healing Hearts Ministries" ( HHM ) entsandt. Dort arbeitete sie auf der Hauptinsel Luzon im 1800 m hoch gelegenen Baguio - mit 350.000 Einwohnern.
Einsatzort dort war ein Kinderheim für vernachlässigte und von den Eltern verlassene Kinder, in dem sie die meiste Zeit auch lebte, und eine Kinder-Rehastation für bedürftige Familien, deren schwer kranke Kinder nach einem Krankenhausaufenthalt noch der Pflege bedurften. Das Geld, das die Eine-Welt-AG für sie gesammelt hatte, wurde für lebenswichtige Medikamente eingesetzt. Auf den Philippinen werden Kinder oft krank, es fehlt den meisten das Geld für die medizinische Versorgung, berichtete Janina, welche dann für bis zu 20 Kinder von der Organisation HHM gewährleistet wird. Im Kinderheim übernahm Janina quasi die Rolle einer Mutter für die Kinder, die vom Füttern, Windelwechseln, Vorlesen, bis Trost spenden usw. reichte. Schnell hatte sie durch die Kinder die wichtigsten Worte der Einheimischensprache Tagalog gelernt, ansonsten verständigt man sich auf den Philippinen in Englisch. Für alle Kinder im Kinderheim war das Hauptziel, eine eigene Familie zu bekommen – viele waren zur Adoption freigegeben - die meisten Kinder werden nach Kanada und in die USA vermittelt, da im eigenen Land die Kinderzahl der Familien sehr hoch ist und dadurch kaum Adoptionen gewünscht sind. Besonders belastend fand Janina die Trauer derjenigen, die noch nicht zur Adoption freigegeben wurden und im Heim zurückblieben.
Neue Schuhe für die WaisenheimbesucherHannah Wild hatte es nach Afrika gezogen. Über die "Kinderhilfe Westafrika e.V. war sie ab September 2015 im Norden Ghanas im Einsatz. Zunächst in der Provinzstadt Zebilla und später dann in Jirapa an der Grenze zu Burkina Faso, bestand ihre Hauptaufgabe darin, Kinder und Jugendliche beim schulischen Lernen zu unterstützen. Die Unterrichtsmethoden würden sich sehr stark von denen hier bei uns unterscheiden, berichtete Hannah: In sehr großen Klassen gebe es hauptsächlich die Methoden "Auswendiglernen" und "Vorsprechen-Nachsprechen", selbständiges Denken würde nicht gefördert. Es gab kaum Unterrichtsmaterialien oder sonstige Anregungen für die Kinder. Hannah setzte sich zum Ziel, den schulischen Alltag mit Singen, Spielen und kreativen Aufgaben zu bereichern. Die Vormittage verbrachte sie meist in der Schule, nachmittags war sie helfende Kraft in einem Waisenheim, in dem 18 meist elternlose Kinder eine Heimat gefunden haben. Bewundernd berichtete sie über den Alltag der Kinder dort, die nach der Schule noch viele Arbeiten zu verrichten hatten wie Wasserholen, Putzen, Kochen, Tiere versorgen, Wäsche waschen - und das oft bei über 40°C während der ghanaischen Trockenzeit. Wie kostbar das Gut Wasser ist, wurde ihr besonders in dieser Zeit bewusst- denn oft gab es nur zwei Stunden lang Wasser am Tag, auch Dusche und Toilette sind dort nicht selbstverständlich. Mithilfe der Eine-Welt-AG konnte Hannah den Kindern im Waisenheim neue Schuhe kaufen und Matratzen für ihre Betten- dafür bedankte sie sich herzlich bei den anwesenden AG-Mitgliedern.
Beim Einsammeln des Geldes für das SparkontoSarah Kubela verbrachte ihr FSJ in den Anden- genauer in Boliviens Regierungssitz La Paz auf 3500m Höhe. Wie schon zahlreiche andere Abiturienten des Gymnasiums Schramberg gehörte sie für ein Jahr zum Freiwilligenkreis von Arco Iris, der Hilfsorganisation Padre Neuenhofers. Sie ist eine der erfolgreichsten und angesehensten in Bolivien. Entsendeorganisation ist in der Zwischenzeit das Kindermissionswerk "Die Sternsinger", das bis zu 15 Freiwilligen in den verschiedensten Projekten innerhalb Arco Iris Einsatzbereiche bietet. Sarah entschied sich für das Projekt "Trabajadores", bei dem sie täglich bis zu 60 Verkäufer/innen und Schuhputzer auf den Straßen von La Paz aufsuchte, um einen Teil des verdienten Geldes für ein Sparbuch einzusammeln. Viele der Arbeitenden dort besitzen keine Steuernummer und dadurch auch keine Berechtigung auf ein Bankkonto. Die von Arco Iris bezahlten Zinsen erhöhen das oft spärliche Einkommen der Indigenen Familien, vor allem aber gewähren sie kostenlosen Zugang für medizinische Versorgung- da dort niemand eine Krankenversicherung hat. Sarah bekam durch ihre Tätigkeit zahlreiche Einblicke in die schwierigen Lebenssituationen vieler Familien, die sie auch zu Hause besuchte- aber auch Verständnis und bewundernde Gefühle für so viel Lebensmut. Durch tägliche Begegnungen entwickelten sich Vertrauen und Freundschaften. Das Zusammenleben mit den anderen Freiwilligen in gut geordneten Wohngemeinschaften empfand sie meist als wohltuend und von Vorteil.
Alle drei waren sich einig, ein gutes und sinnvolles Lebensjahr verbracht zu haben. Obwohl auch Heimweh und Krankheiten sie manchmal zurückwarfen, war das Abschiednehmen sehr schwer gefallen.
Die Zuhörer nutzen danach noch in lockerer Runde die Gelegenheit , die Mädchen in direktem Gespräch zu befragen - für viele der anwesenden Abiturienten gab es Tipps und Hilfsangebote bei der Suche nach eine FSJ-Stelle.
Momentan befinden sich wieder drei ehemalige AG-Mitglieder bei einem freiwilligen sozialen Jahr in Bolivien und Peru, eine vierte wird im Dezember abreisen. Man darf gespannt sein, was sie im nächsten Jahr zu berichten haben. Die Eine-Welt-AG des Gymnasiums unter der Leitung von Erika Gaiser und Stefan Oelgeschläger wird auf jeden Fall in Kontakt mit ihnen bleiben.