Vortrag„Es wird schon nicht so schlimm werden“, beruhigt der Vater seinen Sohn Max Mannheimer, als im Oktober 1938 die Nazi-Truppen in das Sudetenland einmarschieren. Wie fürchterlich es dann für Max Mannheimer und seine Familie wurde, das führte Michael Stacheder in seiner Lesung den Schülerinnen und Schülern der 9.-11. Klasse eindringlich vor Augen. Er ließ die Welt des Max Mannheimer in bewegenden Szenen, die er aus dessen Buch „Spätes Tagebuch" vorlas, lebendig werden, musikalisch einfühlsam untermalt von Sarah Wöhrle am Klavier.





Michael Stacheder und Sarah WöhrleIn der Kleinstadt Neutitschein in der Tschechoslowakei verlebt Max Mannheimer noch eine recht unbeschwerte Kindheit, Juden und Nichtjuden leben friedlich "nicht nur nebeneinander, sondern miteinander", so Stacheder. Nur vereinzelt wird dem Jungen bewusst gemacht, dass Juden „wohl andere Menschen sind“. Dann kommt der Einmarsch Hitlers und nicht nur das Stadtbild verändert sich. Die staatliche Entrechtung der Juden trifft auch die Mannheimers, die Feindseligkeiten nehmen zu, am 9. November 1938 brennen im Sudetenland wie überall im 3.Reich die Synagogen. Am 24.Januar 1943 bekommen die Mannheimers die Vorladung zum „Arbeitseinsatz“, wie es heißt. Drei Tage lang geht es über Theresienstadt nach Auschwitz-Birkenau. Seine Eltern und seine Schwester werden sofort nach der Ankunft ermordet, die drei Brüder durchleiden die Hölle eines Konzentrationslagers. Anschaulich beschreibt Max Mannheimer die Selektion an der Todesrampe, die Brutalität der Wärter, die auszerrenden Arbeitseinsätze, den quälenden Hunger, die grassierenden Krankheiten. Max Mannheimers Bruder Ernst erkrankt, wird „nachselektiert“. Im Oktober 1943 dann die Verlegung der beiden Brüder über Warschau ins KZ Dachau, hier müssen sie in einem Außenlager unter entsetzlichen Bedingungen an der Errichtung einer Flugzeugfabrik arbeiten. Überall im Lager gibt es Läuse "und wo es Läuse gibt, gibt es auch Typhus". Max Mannheimer erkrankt an Flecktyphus. Davon noch immer geschwächt, wird am 28.April 1945 die Räumung des Lagers befohlen. Die KZ-Insassen werden im Zug abtransportiert und zwei Tage später von einer amerikanischen Militärkolonne befreit. Wie viele Überlebende, so erläuterte Michael Stacheder auf Nachfrage einer Schülerin, konnte auch Max Mannheimer erst Jahrzehnte später über das Erlittene sprechen. Zu groß war das Trauma, zu gering die Bereitschaft in den Nachkriegsjahren, sich mit dem Geschehenen auseinanderzusetzen. Dann allerdings fing Max Mannheimer an, in vielen Schulen den Nachgeborenen über seine Erlebnisse zu berichten, niemals als Ankläger, immer in seiner höflichen, humorvollen Art. „Dieser liebenswerte, freundliche Mann wollte“, so Stacheder, „Brücken zwischen den Kulturen bauen.“ Max Mannheimer verstarb am 23. September 2016 in München.
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