Die FirmengründerEin gutes Dutzend Zehntklässler des Schramberger Gymnasiums haben eine Schülerfirma gegründet: Baggygoods. Am Freitagabend luden sie die Gesellschafter zu ihrer ersten Hauptversammlung ein.
Elisa Brugger, die Vorsitzend der Geschäftsleitung, begrüßte die Schar der Besucher in der Mensa und gab gleich an Vanessa Dieterle aus der Finanzabteilung weiter: Sie sei gesundheitlich angeschlagen.
Dieterle führte mit ihrer Kollegin Michelle Minich, der Personalchefin, durch den Abend. Sie erläuterten das Geschäftskonzept und wie sie zum Startkapital gekommen waren: Durch den Verkauf von 90 Anteilsscheinen zu je zehn Euro wäre der Grundstock gelegt. „Wir haben allerdings bisher erst 59 verkauft“, so Dieterle. Bis zum Ende des Schuljahres trifft sich die Gruppe immer montags um die Mittagszeit, um über den weiteren Fortgang zu beraten.



Unterstützt werden sie von den Lehrerinnen Patricia Hollauer und Britta Bleick und „Junior – Wirtschaft erleben“ des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft.
Als Produkt hat sich die Gruppe Taschen ausgedacht. Drei verschiedene Typen nähen die Mitarbeiter jeweils zu Hause: Einkaufstaschen, Multifunktionstaschen und Turnbeutel – „von denen haben wir allerdings erst Prototypen“, berichtet Minich entschuldigend.
Einige Produkte von BaggygoodsGanz wichtig, alle Mitarbeiter nähen auch. Dafür werden ihnen Stunden aufgeschrieben, denn um am Schuljahresende ein Zertifikat zu erhalten, muss jeder Mitarbeiter mindestens 50 Arbeitsstunden nachweisen. Das Ziel des Projektes: „Wir wollen Erfahrungen sammeln und lernen, wie ein solches Unternehmen funktioniert“, erläutern die beiden Sprecherinnen.
Nach der Präsentation, die Malte Haberstroh, der Leiter Technik, vorbereitet hatte, kommen zahlreiche Fragen auf dem Kreis der Gesellschafter: Woher kommt der Stoff für die Taschen? Zahlt die Firma Mindestlohn? Was geschieht mit dem Gewinn? Wie viele Taschen habt ihr schon verkauft? Warum sind so viel mehr Mädchen als Jungen in der Firma?
Souverän und mit einigem Gelächter gibt es die Antworten: „Der Stoff stammt überwiegend von meiner Oma“, gesteht die Firmenchefin. Und Oma Sibylle Brugger, natürlich Gesellschafterin bei Baggygoods, erzählt, dass sie aus einer früheren Handarbeitsgruppe noch kiloweise Stoff zu Hause habe. Das sei ja jetzt geschickt, wenn der genutzt werde.
Damit überhaupt ein Gewinn zu schaffen sei, zahle man nur den Mindestlohn von 50 Cent je Stunde, erläutert die Chefin. Und der Gewinn, so denn einer bleibe, werde am Ende entweder für die Arbeit der FSJler an der Schule gespendet oder an die Gesellschafter ausgezahlt – wenn diese das denn wünschen.
Beim Verkauf, hm ja, zehn bis 15 Taschen habe man schon verkauft und überlege, ob man neben Schulveranstaltungen auch den Wochenmarkt mal für den Verkauf nutzen soll, berichtet Firmenchefin Brugger. Und weshalb die Mädchen in der Überzahl sind? Mit dem Nähen habe das wohl weniger zu tun, denn auch in der anderen Firma sind die Mädchen überrepräsentiert. „Die Jungs hatten an der AG einfach weniger Interesse.“
Mitgesellschafter und Schulleiter Bernhard Dennig sieht das positiv: „Das macht Hoffnung für die großen Firmen, dass diese eines Tages tatsächlich mehr Frauen in den Vorständen haben werden.“
Bei Apfelschorle und Keksen plauderten Firmenmitarbeiter und Gesellschafter über die Firma und ließen sich die Produkte von Baggygoods erläutern.

Pressemitteilung von Baggygoods