Die ersten prägnanten Ereignisse im Großprojekt Schule als Staat, welches im Juli am Gymnasium Schramberg stattfinden soll, ergaben sich bei einer öffentlichen Sitzung des durch das Schulvolk gewählten Parlaments. Die Idee, aus der konstitutionellen Monarchie des Königreiches Berneckküste, so nennt sich das Gymnasium Schramberg in der Zeit, in der es als Staat fungiert, eine repräsentative Demokratie zu machen, entstand schon im Wahlkampf der Parteien. Allerdings war es verfassungswidrig, dieses Ziel in das Parteiprogramm aufzunehmen. Der König ist ein, in der durch das Organisationsteam festgelegten Verfassung vorgeschriebenes Staatsorgan, welches den Staat nach außen hin vertreten soll. Das Königspaar wurde per Los bestimmt und dieses entfiel auf zwei Achtklässler. Dem Parlament ist es möglich, mit einer Zweidrittelmehrheit die Verfassung zu ändern. Am vergangenen Mittwoch tagten die Abgeordneten und stimmten mit zwei Gegenstimmen und einer großen Mehrheit für die Absetzung des Königs. So setzte das Parlament durch die Änderung der Verfassung ein Zeichen.

Es war eine lebhafte Parlamentssitzung, geprägt von vielen Abstimmungen und Diskussionen. In einer separaten Abstimmung beschloss man schließlich, anstatt des Königs einen Präsidenten einzusetzen, welcher seines Amtes folgend den Staat nach außen hin vertreten soll. Dies sei, laut der Abgeordneten, wesentlich billiger und außerdem um einiges moderner. Außerdem herrschte bei allen Parlamentsmitgliedern großer Unmut über das dominante Vorgehen des Organisationsteams, welches bereits im Voraus ohne Absprache mit dem Volk nicht nur die Grundzüge des Staates festgelegt hatte. Wir sind das Parlament, gewählt vom Volk, und wir vertreten deren Interessen und Wünsche, außerdem wollen wir nur das Beste für unseren Staat, hieß es von Seiten der Oppositionsparteien. Nun soll auch der Staatsname noch einmal geändert werden, da der Staat kein Königreich repräsentiert, sondern eine demokratische Republik, die gänzlich gegen eine Monarchie plädiert hat. Einladen möchten die Parlamentsabgeordneten das Staatsvolk für die kommenden öffentlichen Parlamentssitzungen, welche sicher noch einige Überraschungen mit sich bringen werden. Neben den Ministerien wurden nun vom Parlament auch Ausschüsse gebildet, welche sich um einzelne Themengebiete kümmern sollen. Begeistert ist man über die außerordentlich politischen Diskussionen und den sachlichen Charakter der Sitzungen und der Regierungsarbeit. Die Abgeordneten konnten deutlich zeigen, dass der Staat etwas Eigenes aus diesem Projekt machen wird, welches so nicht im Voraus geplant werden kann.
Vera Petri (Jg. 12)