Vortrag von Michael BührerEs ist schon eine ganze Weile her, dass Siebtklässler am Gymnasium Schramberg ihre läuferischen Fähigkeiten für eine gute Sache eingesetzt haben. Genau gesagt fand der bisher einzige Sponsorenlauf vor 13 Jahren zugunsten der Welthungerhilfe statt. In zwei Stunden war damals von den über hundert Schülerinnen und Schülern, unterstützt von der Marathonläuferin Claudia Gertsch, die stattliche Summe von 10.000 Euro erlaufen worden.
In diesem Jahr soll im Rahmen der Bundesjugendspiele wieder ein Spendenlauf der Siebten Klassen stattfinden. Was ist der Beweggrund? Im Erdkundeunterricht der 7. Klassen ist das Thema „Eine Welt-ungleiche Welt“ verankert.
In vielfältiger Weise wird auf Problemregionen in unserer Welt hingewiesen – auch auf ungleiche Verhältnisse, d.h. die Aufteilung in „arme Welt“ und „reiche Welt“. Es geht um fairen Handel als ein Mittel, hier einen Ausgleich zu schaffen. Weitere schülergesteuerte Aktionen werden angesprochen und diskutiert.



Da in diesem Jahr alle Erdkundelehrer der 7. Klassen auch Sport unterrichten, kam die Idee der Gemeinschaftsaktion „Spendenlauf“ auf. Als es galt, ein begünstigtes Projekt auszusuchen, stieß man durch persönliche Kontakte auf den Verein „movement“ aus dem Freiburger Raum , der mit verschiedenen Schwerpunkten in Burkina Faso tätig ist. Dieser Staat liegt in der nordafrikanischen Sahelzone und ist allein durch seine Lage am Rande der Wüste immer wieder von Hungersnöten bedroht.
Der Vorsitzende dieses Vereins, Michael Bührer, war kürzlich zu Gast am Gymnasium, um die über einhundert Siebtklässler auf eine fiktive Reise nach Burkina Faso mitzunehmen. „Wer ist heute Morgen nicht gerne in die Schule gekommen“? eröffnete er seine Vorstellung. Viele ehrliche Hände streckten- war es doch auch erst 7.45 Uhr. Einem Mädchen drückte er daraufhin eine Schüssel voll Getreide in die Hand und ließ sie zur „Mühle“ laufen – wie es sehr vielen Kindern in Burkina Faso geht, die gern in die Schule gehen würden, aber keine Chance auf Bildung haben und dafür Tätigkeiten wie überlebenswichtiges Wasserholen und Getreidemahlen durchführen müssen.
Viele Bilder zeigten den Alltag in Burkina Faso – hinterfragten den Begriff "Armut", der eine relative Größe darstellt und ganz abhängig von den Bedürfnissen und den Lebensumständen ist.
Erprobung der GetreidemühleAls Geographiestudent war Michael Bührer vor 10 Jahren für ein Praktikum in die Dornsavanne Burkina Fasos gereist und war beeindruckt von der Freundlichkeit der Menschen dort. Gemeinsam mit ihnen will sein 2008 gegründeter Verein „Movement“ „Dinge in Bewegung setzen“ und davon auch selbst bewegt werden, denn interkultureller Austausch ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen – eine offene Zusammenarbeit, so seine eindeutige Aussage. „Schließlich wollen wir uns nicht als Eindringlinge einmischen, sondern als Freunde aus bestehenden Ressourcen schöpfen."
Vier Schwerpunkte gibt es in der Arbeit vor Ort: der Einkauf von Mangos, die fair gehandelt im April und Mai auf direktem Weg von den Produzenten zu den Konsumenten rund um Freiburg kommen. Dieses Jahr wird der Verkauf von 20 Tonnen Mangos angestrebt – für jedes Kilo geht ein Euro Spende in die Projekte des Vereins. Im Zuge des Mangoverkaufs hat der Verein im Norden des Landes ein Stück Land erworben, auf dem gegen die zunehmende Versteppung Wiederaufforstung mit einheimischen Gehölzen auf der Agenda steht. Bereits 200 Bäume konnten im vergangenen Jahr gepflanzt werden – darunter auch zahlreiche Mangobäume.
Weiterhin organisiert der Verein für Frauen in schwierigen Lebenssituationen in Burkina Faso den Direkthandel von selbstgefertigten textilen Produkten (Schals und Taschen) sowie Seifen.
Ein weiteres Projekt ist die gemeinsam mit den Afrikanern stattgefundene Entwicklung eines Tonkrugkühlers, der die Haltbarkeit von Lebensmitteln in einem heißen Land wie Burkina Faso bedeutend verlängern kann. Hierbei sollen auch die einheimischen Handwerker – hier Töpfer – pofitieren. Der Absatz des produzierten "stromlosen Kühlschrank" erweist sich allerdings als nicht so einfach – lediglich Gemüseverkäuferinnen auf dem Markt haben die Vorteile bereits erkannt und waren die ersten Kundinnen, gab Michael Bührer zu bedenken.
Ein Hauptprojekt, das seit 2007 im Mittelpunkt der Arbeit steht, ist die Entwicklung von zunächst mechanischen, später dann strombetriebenen Getreidemühlen. Getreidemahlen ist eine zeitaufwendige und kräftezehrende Arbeit, die bisher vorwiegend in Handarbeit von Frauen und Mädchen erledigt wird, die es zu entlasten gilt. Der erste Prototyp war 2007 eine Fahrradmühle, die heute nach viel Tüftelarbeit perfektioniert und zu einer energiesparenden motorbetriebenen Mühle weiterentwickelt wurde. Produziert werden soll sie in Serie von einheimischen Handwerkern, auch Wartung und Reparatur kann direkt vor Ort dadurch stattfinden, was ihnen ein regelmäßiges Einkommen sichert. Das Ziel ist es, die Mühlen mit Solarenergie zu betreiben.
Das Geld aus dem Sponsorenlauf der Siebtklässler soll in dieses Projekt "Getreidemühlen" fließen. "Eine Mühle lässt sich mit 5000 Euro finanzieren" nannte Michael Bührer nach Nachfrage auch eine Summe.
Nach mehr als einer Stunde anschaulicher Einblicke in das Leben in Burkina Fasos erhielten die vier siebten Klassen des Gymnasiums ihre Unterlagen, mit denen sie Sponsoren für ihren Lauf am 30. Juni auf dem Raustein-Sportplatz finden können. Selbstverständlich ist die Sponsorensuche freiwillig – niemand ist gezwungen, sich seine Runden auf dem Sportplatz bezahlen zu lassen. Schön wäre es trotzdem, wenn genügend Menschen aus dem Umfeld der jungen Menschen deren soziales Engagement – hier in Form von sportlichem Einsatz – durch einen finanziellen Beitrag pro Runde unterstützen würden.
Die Laufaktion ist auf eine Stunde begrenzt – für einen Gesamtbeitrag ab 25 Euro stellt der Verein "Movement" Spendenbescheinigungen aus.
„Für das Gymnasium Schramberg ist es eine gute Aktion – denn in einer "Fair-Trade-Town" zu leben bedeutet auch danach zu handeln", meinen die initiierenden Erdkundelehrer Erika Gaiser, Luisa Reinwald und Marcus Wild. Im kommenden Jahr strebt die Eine-Welt-AG am Gymnasium auch den Titel "Fair-Trade-School" an.