Reise ins InnereWillkommen bei „Etre“, dem Verein für ganzheitliches Sein! Schon im Foyer wurden die eintreffenden Gäste von einer übermotivierten Mitarbeiterin aufs Allerherzlichste begrüßt und eh man sich versah, hatte man auch schon ein Namensschild auf der Brust und war Mitglied im Club. In der Aula traf man sich dann zur Vorstellungsrunde: sieben Personen, sechs von ihnen in der Hoffnung auf die Lösung all ihrer Probleme und ein Journalist, undercover, in der Hoffnung auf eine reißerische Story. Die anfänglich herzlich-entspannte Atmosphäre hält nur kurz, bald wird der Ton rauer, sehr viel rauer: „Ich bin der Ausbilder und ihr seid sieben Arschlöcher!“ Unter Fanfarenklängen hält die Gründerin und vermeintliche Heilsbringerin Einzug, das eigentliche Seminar kann beginnen.



VorstellungsrundeUnterstützt wird die oberste Herrin von Dr. Feelgood, einer Motivationstrainerin voll nervtötendem Frohsinn und aufdringlicher Herzlichkeit. Mit Suggestion und Demütigung, Drill und Meditation werden die Teilnehmer langsam gebrochen, sie schrumpfen zu einem Nichts, so dass sie dann als gefügige Wesen neu erschaffen werden können. Der Feind ihrer Bemühungen ist schnell ausgemacht: das rationale Denken, im Sektensprech: rat-De.
Mit einfachen Mitteln ist es dem Ensemble unter der Leitung von Roland Eisele gelungen, die dramatische Entwicklung der Kursteilnehmer effektvoll in Szene zu setzen. So weicht das anfangs warme Licht bald harten Kontrasten und dem Höllenschein. Auf einem in den Zuschauerraum ragende Laufsteg werden die „erlösenden“ Übungen absolviert, hier muss jeder Einzelne seine intimsten Geheimnisse preisgeben. Die psychischen Grenzsituationen, die Stimmungswechsel, das Niederringen eines jeden Teilnehmers bot den Darstellern herrliche Möglichkeiten, sich schauspielerisch zu entfalten. Und diese Gelegenheit ergriffen sie: Mitreißend verkörperten sie die Entwicklung der zu Beginn verschlossenen, skeptischen, vereinzelt feindseligen Teilnehmer hin zu „beglückten“ Menschen, erleuchtet von den vier Seelenfängerinnen, die jede auf ihre Art, herzlich und barsch, drängend und verführend, die Menschen formten nach ihrem Willen, so dass am Ende auch das Publikum – nicht von der Heilslehre, aber von der Aufführung – restlos überzeugt war und schlussendlich begeistert applaudierte.

Übungen auf dem LaufstegEntblöße dein Innerstes!









ÜberzeugungsarbeitGehirnmassage









Der Journalist wird gegrilltEinzeltherapie